Fernmeldemuseum im Trafohaus

Im ehemaligen Trafohaus des Ortsteils Wissenbach haben zwei Sammlungs-Schwerpunkte ihren Platz. Die ehemalige Schiefergrube Batzbach ist in ihrer Geschichte mit vielen Dokumenten und bergmännischen Exponaten vertreten.

Daneben eine komplette Ortsvermittlungsanlage, mit der gleichzeitig 600 Gespräche abgewickelt werden konnten. Erweitert durch Telefonleitungsbau und Fernschreibetechnik werden hier viele Jahrzehnte Fernmeldegeschichte präsentiert.

Vor kurzem hat der Hessische Rundfunk dem Trafohaus einen Besuch abgestattet. Die Reportage  “Telefonieren wie anno dazumal” von Mike Marklove können sie sich hier anhören:

 



Ein „Fräulein vom Amt“ erinnert sich

Telefonvermittlerinnen bei der Arbeit

Telefonvermittlerinnen bei der Arbeit

Mit der Erfindung seines „Sprachübertragungsapparates“ landete Alexander Graham Bell im Jahre 1876 einen echten Hit. So viele Menschen wollten das so genannte Telefon haben, dass eigene Verbindungen zwischen den einzelnen Apparaten nicht mehr möglich waren. So mussten Verbindungsstellen für den richtigen Anschluss sorgen. Das war die Geburtsstunde des „Fräuleins vom Amt“ – einer Telefonistin, die in einer Telefonvermittlungsstelle am „Klappenschrank“ gearbeitet hat.

Es war kein emanzipatorischer Akt, nur Frauen für solche Tätigkeiten einzustellen, sondern ein ganz praktischer Grund: Die höhere Stimmlage konnte über die damals übertragenen Telefonfrequenzen besser verstanden werden. Und so entstand im Laufe der Zeit ein neues Berufsbild. Voraussetzungen waren eine gute Schulbildung und Fremdsprachenkenntnisse.

Bei der Arbeit im Fernmeldeamt (Aufnahme von 1948/49)

Bei der Arbeit im Fernmeldeamt (Aufnahme von 1948/49)

Die Damen mussten jung, ledig und „aus gutem Hause stammen“. Der Arbeitsalltag der Telefonistinnen war durch immer gleiche Sprach- und Bewegungsabläufe geprägt. So erfolgte der Ablauf einer Ortsvermittlung in folgenden Schritten: Nach dem Anruf eines Teilnehmers bei dem Fernamt fällt die entsprechende Klappe am Schrank, die Telefonistin meldet sich und fragt nach dem gewünschten Teilnehmer, macht bei diesem die „Besetztkontrolle“ und verbindet dann die Anschlüsse, ruft den Adressaten an, das Gespräch erfolgt und wird nach dem Schlussruf des Anrufenden wieder getrennt.

Daneben mussten auch Formulare für die Gebührenabrechnungen ausgefüllt werden. Schließlich wurden die Damen noch im wachsenden Telexdienst eingesetzt. Ab 1962 wurde auch im Raum Dillenburg der Selbstwählferndienst eingeführt.

Frau Ilse Müller war von 1947 bis 1963 mit anderen 100 Damen als Telefonistin beim dortigen Fernamt beschäftigt. Die heutige 90jährige erzählt von ihren Tätigkeiten , Arbeitsbedingungen und besonderen Begegnungen sowohl im Telefon- als auch im Telegraphendienst.

Ilse Müller bei der Arbeit im Fernamt

Ilse Müller bei der Arbeit im Fernamt

https://www.youtube.com/watch?v=GTDxdalOiJA
Frau Müller erinnert sich an ihre Zeit im Fernamt Dillenburg